Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Blende: Patina

Eigentlich hatte ich vor, Bildhauerin zu werden, landete aber während des Studiums relativ schnell bei der Malerei, weil ich mit dem damaligen Bildhauerprof noch weniger auskam, als mit dem der Malerei. Bei letzterem verbrachte ich die ersten Semester im »Klassenverband«. Vorher schmiss er mich mehrmals aus seinen Veranstaltungen raus (Akt-und Porträtzeichnen und -malen), ich ging immer wieder hin und schließlich, nachdem er mich fünfmal des Platzes verwiesen hatte, durfte ich bleiben. An das ständige, hektische Herumgeklimpere mit seinem Schlüsselbund, die Schmatzgeräusche, die er machte, wenn ihm etwas nicht passte, und an seine mit hartem Bleistift gefrästen, unsensiblen Korrekturen auf studentischen Modellstudienblättern kann ich mich heute noch erinnern. An seine Beschimpfungen und rüden Bemerkungen, an seine mit terra pozzuoli gezogenen Konturlinien in meinen Malereien, die ich übermalte, sobald er mir den Rücken zuwandte und die er wieder korrigierte, wenn er es sah. Dieses Spiel trieben wir lange, gewonnen habe natürlich ich, weil ich meine Arbeiten irgendwann vor ihm versteckte. Weil ich seinen Unterricht mit dem eines Dozenten für Zeichnung kombinierte, lernte ich trotzdem viel. Einige Semester war ich regelrecht süchtig nach Porträt-und Aktmalerei und Zeichnung. Die Klausuren der Aktmalerei waren harte Arbeit, dauerten manchmal mehrere Tage, und anfangs liess ich mich von ihm und älteren Mitstudenten beeinflussen und einschüchtern, dass Modellsituationen nach Beendigung nicht aus dem Kopf weiter zu malen und mit Ausgedachtem zu ergänzen wären.

Zwischendurch nahm ich, gemeinsam mit einer Kommilitonin aus einer anderen Klasse, an einer Sommerakademie für Bildhauerei teil. Thema war das Porträt, zuerst modellierten wir uns gegenseitig in Ton, dann saß ein Herr namens Busch Modell.

Gipsköpfe, 1989/90 oder 1991, überlebensgroß
Die Tonbüsten, von denen eine Gipsform abgenommen wurde, um sie dann wieder mit Gips zu füllen und die Form zu sprengen, sind 25 Jahre alt (vielleicht sind es auch 26 oder 27 Jahre, ich kann es nicht mehr so ganz genau rekonstruieren) und lagern im Wintergarten meiner Eltern. Spinnen haben ihre Netze darüber gewebt, Patina hat sich auf Flächen gelegt.


Öl auf Leinwand, ca 160 x 60 cm und ca 180 x 100 cm, 1991.




Die Büste von A., meiner Kommilitonin, taucht in diversen Stilleben meiner Frühwerke in Öl auf. Auf die Leinwände ist rückseitig die Jahreszahl 1991 gepinselt, und sie sind die letzten, zu denen es einen realen Aufbau im Atelier gab. Danach verabschiedete ich mich von dieser Art der konstruierten Wirklichkeit.









Die Ausstellung »desperate housewives? Künstlerinnen räumen auf« ist noch bis zum 4.12.16 in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen zu sehen. Einen Einblick in diese Ausstellung gibt es in einem schönen Bericht des Südwestfunks (swr) in der Sendung kunscht.
Übrigens: Hinter Dr. Martina Padberg, die gemeinsam mit Dr. Ina Ewers-Schultz die Ausstellung kuratiert hat, sind Zeichnungen meiner Serie »Trautes Heim« zu sehen.

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