Die Künstlerin Barbara Wrede, Berlin, veröffentlicht in ihrem Blog Szenen aus dem Alltag, Notizen zu Kunst und zu Ausstellungen und gibt einen Einblick in ihr Atelier und darin entstehende Arbeitsserien. Oder in andere Geschehnisse. Manchmal in Worten, manchmal als Skizze, Cartoon, Zeichnung oder Foto oder Vignette. Je nachdem. Um die Abbildungen genauer zu betrachten bzw. zu vergrößern, reicht ein Klick mit der Maus in die Bilder. Für den Inhalt externer links ist Barbara Wrede nicht verantwortlich. Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben) ©Barbara Wrede und VG Bildkunst, Bonn.

Samstag, 30. September 2017

Geballte Ladung: Ausblick und Rückblick

Nach den Herbstferien, ab 8.11.2017, gibt es unter meiner Leitung und in Zusammenarbeit mit Jugend im Museum eine offene Künstlerwerkstatt für Kinder von 6-10 Jahren im Atelier der Kommunalen Galerie Charlottenburg-Wilmersdorf.
Thema: Wie arbeiten eigentlich KünstlerInnen?
Inspiration dazu liefern u.a. die aktuellen Ausstellungen in der Kommunalen Galerie und die Werke in der umfangreichen, dort ansässigen Artothek. Der Kurs ist kostenlos, das Material auch, die Kinder können ohne Anmeldung in der Zeit zwischen 15-18h zum Zeichnen, Malen, Bauen, Collagieren ... vorbeikommen.

Ort: Komunale Galerie Charlottenburg-Wilmersdorf
Hohenzollerndamm 176
10713 Berlin
U3/U7, Fehrbelliner Platz (und von da aus ca 100m den Hohenzollerndamm hoch.)
(Übrigens: Ab Anfang nächsten Jahres kann man sich dort in der Artothek auch »echte Wredes« ausleihen. Mehr dazu, wenn es soweit ist.)
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In der kommenden Woche beginnen meine Holzkurse für kleine (5-7Jahre) Kinder, Thema: Stadt und ältere Kinder (8-10 Jahre), Thema: meine Spielgefährten, die ich ebenfalls als Dozentin bei Jugend im Museum gebe.
Es gibt noch einige wenige Plätze in der JIM-Werkstatt Hufelandstraße.
Museumsbezug ist dieses Mal das Märkische Museum.
Stadt aus Holz


Meine Spielgefährten






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Ab dem 28.10.17 findet ebenfalls in der Werkstatt Hufelandstraße und unter meiner Leitung ein Kompaktkurs
(3 x 4 Stunden, samstags) für Kinder von 7-11 Jahre statt.
Thema: Gehörnte Wesen aus Holz.
Es sind noch Plätze frei. Museumsbezug: Stierbrunnen am Arnswalder Platz.
Bitte für alle diese Kurse beachten: Anmeldung nur über JIM.

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Bereits vor meiner Studienzeit in Kassel habe ich begonnen, kulturelle Bildung zu vermitteln.
Seit einigen Jahren bin ich jetzt Dozentin bei Jugend im Museum und wie in jedem Jahr fanden in den Sommerferien Kompaktkurse für Kinder statt.
Im Innenhof vom Märkischen Museum stand das Mittelalter auf dem Programm.
Wappenbau und Spaziergang zur Klosterruine
Wilde Wesen im Garten des Museums Europäischer Kulturen




















Im Garten des Museums Europäischer Kulturen wurden »Wilde Wesen« geschaffen, Inspiration dazu lieferte auch der wunderbare, gewebte Teppich der Anna Bump.
Als handwerklichen Schwerpunkt hatte ich die Papierfalterei ausgesucht, die mit einer Faltung des heiligen Geistes über Unterhosen und Wasserbomben zu besteigbaren Booten, Riesenfröschen, modularem Origami, Schlangen, Pinguinen und Ganzverkleidungen führte.

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»Das Bild vom Ich« in der Poelchau-Sportschule



Im workshop »das Bild vom Ich«, zu dem ich als Künstlerin von der Poelchau Sportschule eingeladen war,  drehte sich alles um das Selbstporträt, das Schüler der 9. Jahrgangsstufe auf großem Format anfertigten und anschließend während des Schulfestes präsentierten.

Freitag, 25. August 2017

Nachrichten aus dem Paradies, Kapitel IV

Kapitel IV: »Was vom Tage übrig blieb«, je 76 x 56 cm, Tusche auf Büttenpapier, 2017
»Nachrichten aus dem Paradies« ist der Titel meiner großangelegten Serie, die bislang vier Kapitel mit unterschiedlichen Thematiken umfasst.
2011 begann ich mit dieser Serie, seit 2017 entsteht das vierte Kapitel »Was vom Tage übrig blieb«.
»Was nützt die Liebe in Gedanken«, »Unglaubliche Reisen«, »Eh Du erwacht« sind die Titel der bisherigen drei Kapitel, die jeweils aus ca 100 Blatt in Formaten bis 200 x 280 cm bestehen.
Die Serie ist noch nicht abgeschlossen.

Freitag, 28. Juli 2017

Kalter Kaffee

Mann mit Tasse im Kaffeegarten, rauchte, zwei Frauen mit Kännchen, redeten. Sonst keiner. Leichter Nieselregen. Ich bestellte Eiskaffee und Leitungswasser, sah durch die Personaltür im UG des Gebäudes, dass der Kellner mein Getränk zubereitete. Ob er am Löffel leckte? Oder die Sprühsahne, die er nun auf den Kaffee spritzte, vom Verschluss abschlabberte, während er in einer Nische rechts herumfuhrwerkte? Jetzt sah ich seinen Arm und wie er einen langstieligen Löffel in das Glas steckte. Heute morgen war es furchtbar schwül gewesen. Der Mann neben mir fing an zu fluchen, weil es stärker zu nieseln begann, nahm seine Tasse und stellte sich in einen der Türeingänge neben der Küchennische. Die beiden Frauen fragten einen jungen Kellner, ob er den Sonnenschirm öffnen könne. Seine Antwort vernieselte; der Schirm blieb zu.
Der erste Kellner brachte meinen Eiskaffee, sogar das Leitungswasser hatte er dabei. Doch nicht auf Krawall gebürstet. Es regnete. Ob er mir den Sonnenschirm aufspannen könne, oder ob ich das tun kann?
Wenn ich das mache, dann kommen fünf so wie Du, und ich werde krank.
Was macht das?
Dreiachtzig.

Sonntag, 11. Juni 2017

Sonntag, 28. Mai 2017

Im Atelier

»meeting Anubis« aus der Serie: Moritat vom Schweben, Bleistift auf Papier (ohne Wischen), je 42 x 30 cm, variable Reihung (nicht abgeschlossen)

Montag, 22. Mai 2017

intre: Text

Nach der Bild-Text-Produktion von Intre:Text wurde das gesamte Material an Texten und Bildern für die Musikerin Sabine Worthmann und den Videokünstler Nils Linscheidt freigegeben. Parallel und unabhängig voneinander erarbeiteten die beiden eine musikalische Komposition und eine Hypertextinstallation, die am vergangenen Samstag, 20.5.17, live in der lettrétage zu erleben war.


Sabine Worthmann, Musikerin, vor Videoinstallation von Nils Linscheidt am 20.5.17 in der lettrétage

intre:Text, Faltplakate


Texte und Zeichnungen sind als »Faltplakate« gedruckt und in der lettrétage erhältlich.
Texte von Maren Kames, Christian Vater, T.G. Vömel und Charlotte Warsen, Zeichnungen von Falk Nordmann und mir.
Eingeladen zu dieser künstlerisch-interdisziplinären Unternehmung hatte der vau-vau Verlag und die lettrétage.


Donnerstag, 23. März 2017

intre: Text – Wort_Bild_Klang

intretext – Zeichnungen

Seit einigen Tagen ist das blog von »intretext« online.
»intretext« ist eine künstlerisch-interdisziplinäre Unternehmung in Text und Bild, multimedial und mit Klang, deren Entstehung dem Grundprinzip der japanischen Kettendichtung folgt.
Zur Teilnahme eingeladen hat der vauvau Verlag und die Lettrétage, Berlin. 

Texte von Maren Kames, Charlotte Warsen, Christian Vater und T.G. Vömel, bildnerische Werke von Falk Nordmann und mir, Nils Linscheidt entwickelt anschließend eine Videoinstallation zu den Beiträgen und Sabine Worthmann fügt Klang dazu.
Zum Vormerken: intretext – live  in der lettrétage am 20.5.2017.

Freitag, 10. Februar 2017

Neue Runde






Kurz bevor meine neuen Kurse bei Jugend im Museum starten, gibt es hier wieder einen kleinen Blick auf die Objekte, die in den letzten Kursen von den jungen Teilnehmern gefertigt wurden: Marionetten, Eulen und Fledermäuse, Stadtansichten u.a. – alles aus Holz.







Mit Drittklässern einer Holz-AG enstand dabei u.a. auch eine Säge-Pizza, die nach Bedarf und Geschmack belegt wurde. Erstaunlich, wie pur das Ergebnis daher kam, manch eine Pizza wurde nur mit Tomatenmark und Parmesan bestückt. Kippenberger hat ja auch einmal eine Pizza gebaut und an die Wand genagelt, erzählte ich den Kindern. »Pizza gepollockt« heißt das Stück. Was gepollockt ist, musste ich erklären.
Der neun Jahre alte B. zog blitzschnelle von meiner Erklärung einen Bogen zum Film »Beste Freunde« hin: »Da sagt doch auch einer, das sieht aus, als hätte jemand sein Nasenbluten auf die Leinwand tropfen lassen«.
Genau! B. hat dann aber seine Pizza nicht gepollockt, sondern mit Salami belegt, deren Aussehen täuschend echt ist: die Farbe hat er mit zwei Buntstiften gemischt.

Neben Holzkursen biete ich workshops in der Hegenbarth Sammlung, Berlin, an.
Hier wird gezeichnet, gemalt, geschnitten, gebaut, die Pop-up-Technik kommt zum Einsatz. Und noch viel mehr. Start ist am 4.3.17 mit Hals über Kopf. Dann kommen Gesichter der Großstadt (ab 25.3.17), Ein fantastischer Platz (ab 6.5.17) und Geheime Räume der KünstlerInnen (ab 10.6.17).
Die Anmeldung erfolgt über Jugend im Museum.



Dienstag, 24. Januar 2017

Im Untergrund

Freier Platz am Wagenende in Fahrtrichtung. Ein Mädchen vor mir ist schneller, ich bleibe an der Tür. Warum setzt die sich jetzt nicht hin? Da sitzt doch keiner. Ich bleibe trotzdem an der Tür stehen, keine Lust, mich durchzuquetschen. Die blonde Frau, die neben dem leeren Platz sitzt, hat Zettel in der Hand und verschiebt den oberen nach unten und so weiter. Ein Mann mit Rucksack und Gardinenstange steigt ein, geht zielstrebig auf den freien Platz zu, löst dabei schon einmal einen Rucksackriemen von der Schulter. Die Blonde hebt ihren Kopf nicht, dreht aber geziert ihre Handflächen nach außen und macht eine abweisende Bewegung. Der mit dem Rucksack bleibt stehen und lehnt sich an die Tür zum nächsten Wagen. Ein weiterer Typ guckt auf den Sitz und stellt sich neben den Rucksack-Mann. Wieso setzt sich keiner? Warum meckert keiner? Was ist los? Hat die Blonde da ihre Tasche geparkt, eine Katze oder einen Hund?
Wegen so einem Gedöns darf da keiner sitzen? Das lassen die sich gefallen?
Station Mehringplatz. Ich tue mal so, als ob ich prophylaktisch die Tür frei mache und wechsele die Seiten. Kann immer noch nicht sehen, warum die keinen neben sich sitzen lässt, mittlerweile wollten schon acht Leute das tuen, alle hat sie davon abgehalten.
Sie steht auf. Etwas klapprig auf den Beinen. Müde sieht sie aus und schlecht gelaunt. Sie steckt die Zettel in ihre Manteltasche. Wieso brauchte die Platz für zwei? Ich gucke sie böse an. Sie geht zur Tür, nur kurz streift mich ihr Blick, den ich nicht deuten kann, dann steigt sie aus.
Der Typ mit dem Rucksack glotzt mich an und grinst. Was grinst der denn so blöde?
Ich verziehe keine Miene. Er macht keine Anstalten, sich zu setzen. Also setze ich mich auf den Platz der Blonden. Neben mir in der Kuhle des Hartschalensitzes schwimmt ein Tempo in einer gelblichen Pfütze. Ein Typ, der gerade eingestiegen ist, will sich hinsetzen, ich mache eine abwehrende Handbewegung.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Im Atelier






»Unglaubliche Reisen« heißt das zweite Kapitel meiner groß angelegten Serie »Nachrichten aus dem Paradies« (Serie seit 2011) und umfasst neben Kugelschreiberzeichnungen auch Collagen.

Freitag, 6. Januar 2017

Vom Ende zum Anfang

Seit Jahresende 2016 steht fest: Wrede goes Bundestag. Der Kunstbeirat der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages hat Zeichnungen von mir für die Kunstsammlung ausgewählt.





Seit Anfang 2017 ist die Jubiläumsausgabe der montage AV – Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation im Handel. 1992 erschien das erste Heft. Mein Beitrag zur diesjährigen Jubelausgabe: die Coverzeichnung.





Mittwoch, 7. Dezember 2016

»Desperate housewives? Künstlerinnen räumen auf«

Das Staatliche Textil-und Industriemuseum Augsburg (tim) ist die letzte Station der Wanderausstellung »Desperate housewives? Künstlerinnen räumen auf.«, die bereits im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, im Museum Kulturspeicher Würzburg, den Kunstsammlungen Zwickau und der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen zu sehen war.

In der Ausstellung beschäftigen sich 29 internationale Künstlerinnen, geboren zwischen 1936 und 1986, aus den unterschiedlichsten Perspektiven und mit verschiedensten Mitteln mit dem Haus als Lebens- und Arbeitsplatz.
Dabei sind Rosemarie Trockel, Mona Hatoum, Pipilotti Rist, Susanne Kutter, Dorothee Golz, Andrea Zittel, Monika Barthalomé, Anke Eilergerhard, Gabriela Oberkofler, Alice Musiol, ich und andere Künstlerinnen mit Werken vertreten.
Von mir werden Zeichnungen aus der Serie »Trautes Heim« gezeigt, an der ich seit 2005 immer wieder arbeite.
Zu der Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Eröffnung am Freitag, den 16.12.16 um 15 Uhr
Um Anmeldung zur Eröffnung wird bis zum 9.12.16 gebeten.
mail: info@tim.bayern.de
Fax: +49-821-81001-531

Begrüßung: Dr. Karl Borromäus Murr, Direktor
Einführung in die Ausstellung: Dr. Martina Padberg, Dr. Ina Ewers-Schultz, Kuratorinnen

Ausstellung vom 17.12.16 bis 12.3.2017
Staatliches Textil-und Industriemuseum Augsburg (tim)
Provinostraße 46
86153 Augsburg

Montag, 28. November 2016

Köterclub











Seit 2012 druckt die Berliner Zeitung meine Serie »Köterclub« in ihrem Feuilleton ab.
Heute: Folge 50 mit – wie sollte es anders sein – vier Hunden vor dem Ruhm.
Fortsetzung folgt!

Samstag, 26. November 2016

Blende: Zeit vor H. P.

1987, lange bevor J.K.R. Harry P. erfand (und damit u.a. auch einen Eulenhype auslöste), schrieb der Forscher Bernd Heinrich ein Buch über sich und sein Leben mit Bubo, einem Virginia Uhu.
Die deutsche Übersetzung erschien 1993. Damals jobbte ich halbtags in einer Kasseler Buchhandlung, um mein Studium zu finanzieren.
Zusatznutzen war für mich, immer am «Puls der Zeit« zu sein, und ich verschenkte die Neuerscheinung vor fast genau 23 Jahren an meine Mutter. Das Buch, das ich vor einem Monat endlich gelesen habe, ist viel mehr als eine zoologische Studie, es ist eine sehr außergewöhnliche und persönliche Chronik über die Beziehung von Forscher und Eule, die während der drei Jahre, die die beiden im Camp Kaflunk in den Wäldern von Maine verbrachten, entstand. Die Schilderungen sind komplett kitschfrei, und es geht nicht darum, ein Wildtier zu zähmen oder es sich zum Untertan zu machen.


Die deutsche Erstausgabe »Ein Forscher und seine Eule« ist als Hardcover im List Verlag erschienen, antiquarisch zum Spottpreis erhältlich und sei all denen ans Herz gelegt, die sich für Tiere und Menschen interessieren. Das tagebuchartig notierte Zusammenleben mit der Eule hat der Autor mit schönen Zeichnungen von Bubo und mit Fotos bereichert.
Eulenmanufaktur in der Holzwerkstatt von JIM. Dank Bernd Heinrich und Bubo mit noch mehr Input.
Neben dem großartigen »butchers crossing« von John Williams, das ich in diesem Jahr zum zweiten Mal las und noch begeisterter war, als beim erstmaligen Lesen vor einem Jahr, ist das Buch von Bernd Heinrich das aus 2017 herausragende für mich. Bislang jedenfalls. Zu Weihnachten schenke ich mir »Augustus« und vielleicht auch noch »Alexander von Humbold und die Erfindung der Natur«, mal sehen, ob sich an der Thronfolge etwas ändern wird.

Dies sind weder Augen einer plattgesichtigen Eule noch ist es eine seltene Brustwarzenkrankheit. Riesenwiesengewächse.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Blende: Patina

Eigentlich hatte ich vor, Bildhauerin zu werden, landete aber während des Studiums relativ schnell bei der Malerei, weil ich mit dem damaligen Bildhauerprof noch weniger auskam, als mit dem der Malerei. Bei letzterem verbrachte ich die ersten Semester im »Klassenverband«. Vorher schmiss er mich mehrmals aus seinen Veranstaltungen raus (Akt-und Porträtzeichnen und -malen), ich ging immer wieder hin und schließlich, nachdem er mich fünfmal des Platzes verwiesen hatte, durfte ich bleiben. An das ständige, hektische Herumgeklimpere mit seinem Schlüsselbund, die Schmatzgeräusche, die er machte, wenn ihm etwas nicht passte, und an seine mit hartem Bleistift gefrästen, unsensiblen Korrekturen auf studentischen Modellstudienblättern kann ich mich heute noch erinnern. An seine Beschimpfungen und rüden Bemerkungen, an seine mit terra pozzuoli gezogenen Konturlinien in meinen Malereien, die ich übermalte, sobald er mir den Rücken zuwandte und die er wieder korrigierte, wenn er es sah. Dieses Spiel trieben wir lange, gewonnen habe natürlich ich, weil ich meine Arbeiten irgendwann vor ihm versteckte. Weil ich seinen Unterricht mit dem eines Dozenten für Zeichnung kombinierte, lernte ich trotzdem viel. Einige Semester war ich regelrecht süchtig nach Porträt-und Aktmalerei und Zeichnung. Die Klausuren der Aktmalerei waren harte Arbeit, dauerten manchmal mehrere Tage, und anfangs liess ich mich von ihm und älteren Mitstudenten beeinflussen und einschüchtern, dass Modellsituationen nach Beendigung nicht aus dem Kopf weiter zu malen und mit Ausgedachtem zu ergänzen wären.

Zwischendurch nahm ich, gemeinsam mit einer Kommilitonin aus einer anderen Klasse, an einer Sommerakademie für Bildhauerei teil. Thema war das Porträt, zuerst modellierten wir uns gegenseitig in Ton, dann saß ein Herr namens Busch Modell.

Gipsköpfe, 1989/90 oder 1991, überlebensgroß
Die Tonbüsten, von denen eine Gipsform abgenommen wurde, um sie dann wieder mit Gips zu füllen und die Form zu sprengen, sind 25 Jahre alt (vielleicht sind es auch 26 oder 27 Jahre, ich kann es nicht mehr so ganz genau rekonstruieren) und lagern im Wintergarten meiner Eltern. Spinnen haben ihre Netze darüber gewebt, Patina hat sich auf Flächen gelegt.


Öl auf Leinwand, ca 160 x 60 cm und ca 180 x 100 cm, 1991.




Die Büste von A., meiner Kommilitonin, taucht in diversen Stilleben meiner Frühwerke in Öl auf. Auf die Leinwände ist rückseitig die Jahreszahl 1991 gepinselt, und sie sind die letzten, zu denen es einen realen Aufbau im Atelier gab. Danach verabschiedete ich mich von dieser Art der konstruierten Wirklichkeit.









Die Ausstellung »desperate housewives? Künstlerinnen räumen auf« ist noch bis zum 4.12.16 in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen zu sehen. Einen Einblick in diese Ausstellung gibt es in einem schönen Bericht des Südwestfunks (swr) in der Sendung kunscht.
Übrigens: Hinter Dr. Martina Padberg, die gemeinsam mit Dr. Ina Ewers-Schultz die Ausstellung kuratiert hat, sind Zeichnungen meiner Serie »Trautes Heim« zu sehen.

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